Skip to main content

“Die EUdSSR betreibt Zensur!”

  • SEO-Küche Logo


PDF herunterladen

Hysterie Schön, dass ich mit der Überschrift eure Aufmerksamkeit erregen konnte. Dieser Artikel ist nicht für Menschen, die sich im Bereich SEO, Online Marketing und dem Internet im Allgemeinen auskennen. Sondern für diejenigen, die in dem “Recht auf Vergessen” des EuGH, entweder eine “Zensur” sehen, oder einen Schritt, um die Marktmacht Googles zu “zerschlagen”.

Das „Recht auf Vergessen“

Mittlerweile gibt es ja schon einen ganzen Haufen an Meinungen, Kommentaren und Gedanken zum Urteil des EuGH, aufgrund dessen Google Links aus seinen SERPs auf Anfrage löschen muss. In den Kommentarspalten von Welt.de, Spiegel.de und der FAZ, finden sich immer wieder Aussagen mit folgendem Tenor: Google löscht Artikel. Das ist Zensur. Außerdem werden so unliebsame politische und wirtschaftliche Nachrichten unterdrückt. Da das Ganze von der EU kam, wird im selben Atemzug auch gleich die „EUdSSR“ gebasht was das Zeug hält (ganz ähnlich auch die Reaktionen in England, bspw. im Guardian).

Sloterdijk nennt so etwas „mediogene Hysterie“, womit ein hervorstechender Charakterzug moderner westlicher Gesellschaften gemeint ist: durch die Dynamik eines anonymen Netzes, in dem jeder über alles seine Meinung abgeben kann, entwickeln sich Geisteshaltungen, die in allen möglichen politischen und gesellschaftlichen Vorgängen den “Untergang des Abendlandes” sehen. Diese Geisteshaltungen verstärken sich gegenseitig und am Ende hat man etwas, das man in Bezug auf den Mayakalender und 2012 sehr deutlich beobachten konnte. Freud sprach einfach nur von „Hysterie“ (ok, das war in einem anderem Zusammenhang, passt aber hier auch ganz gut).

Deswegen kommt hier der Tranquilizer:

1. Google löscht keine Artikel. Google löscht zu bestimmten Suchanfragen Links aus seinen SERPs. Und gibt das sogar noch an. Suche ich also nach etwas, steht am Ende der SERPs:

Recht auf Vergessen

In diesem Fall kopiert man seine Sucheingabe und geht zu Bing, Yahoo oder sucht direkt auf den Seiten der Zeitungen. Die Artikel sind nämlich immer noch da, können verlinkt werden – tauchen eben nur nicht in Google auf. Bedenkt man, dass in vielen Köpfen die Begriffe „Web“, „Internet“ und „Google“ synonym verwendet werden, kann man die Aufregung zumindest nachvollziehen. Deswegen: Es gibt im Netz mehr Möglichkeiten, nach etwas zu suchen, als nur die Google Suchmaschine!

2. Zweite Möglichkeit die Ergebnisse trotzdem zu sehen: Man geht ins EU-Ausland. Nicht körperlich, sondern mit dem Browser – einfach die Google Sprachversion ändern oder mit dem Proxy rumspielen. Wie das geht? Lass mich das für dich googeln.

3. Es geht aber noch einfacher:

Die SERPs werden nur bei bestimmten Suchangaben modifiziert (vermutlich die Suchangabe, die direkt auf den Namen der Person zielt, deren Informationen “gelöscht” werden sollen ). Wenn man nach anderen Dingen sucht, die ebenfalls im „gelöschten“ Artikel auftauchen, kann man ganz schnell den „gelöschten“ Link wieder sehen. Wer Vorschläge für die Google Sucheingabgen braucht, der schaue hier rein: http://imgur.com/VDn91qp

Der GoogleWatchBlog bereitet die Löcher in der Umsetzung des EuGH-Urteils recht gut auf. Was ebenfalls ins Auge springt:

Google geht recht geschickt mit dem „Recht auf Vergessen“ um. Genauer: Google torpediert das Urteil des EuGH. Das Google dies kann, liegt aber auch an dem Urteil selbst. Ich bin mir nicht sicher, was sich die Richter dabei dachten oder ob sie alle Funktionen einer Suchmaschine und Aspekte des Netzes verstanden haben. Das Vorgehen Googles zeigt aber: Dieses Urteil ist ein Papiertiger. Es sorgt nur für gute Presse für die EU und lässt diese in einem besseren Licht dastehen. Immerhin konnte man gegen die “Datenkrake” aus den USA (und die NSA ist nicht weit) etwas machen. Gelöscht wurde aber gar nichts und die Artikel lassen sich in ein paar Sekunden wieder auffinden.

Kommentare sind extrem erwünscht. Wir zensieren (fast) nichts 🙂

Update 8.7.2014: Die Webseite hiddenfromgoogle.com will alle Links, die von dem “Recht auf Vergessen” betroffen sind, auflisten und mit einem Link zu dem aus dem SERPs entfernten Artikel versehen. Bisher (8.7.2014) sind nur 14 Links vorhanden, mal sehen wie viele es noch werden.

Update 9.7.2014: Auch die Webseite http://thingsgoogleforgot.wordpress.com/ sammelt Suchergebnisse die vom “Recht auf Vergessen” betroffen sind. Bin gespannt welche der Seiten das rennen macht 😉

Update 18.08.2017: Seit Kurzem ist das Portal hiddenfromgoogle.com offline. Wer weiß?

Kommentare

Ullrich Bemmann

Na wenn Du Dir mit dieser Überschrift mal nicht die ganzen konservativen EU Kritiker an Bord holst… 😉

http://www.taz.de/!132150/

Tilmann Klosa

Wie gesagt, “mediogene Hysterie” 🙂


Hast du eine Frage oder Meinung zum Artikel? Schreib uns gerne etwas in die Kommentare.

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht

Jetzt den SEO-Küche-Newsletter abonnieren

Ähnliche Beiträge

Girls'Day 2022 Daumen hoch

Girls’ Day 2022 in der SEO-Küche

  • christoph pawletko
  • von Christoph
  • 29.04.2022

Dein Einblick in die Welt des Online-Marketings Am 28.04. war es wieder so weit: Am Girls’Day 2022 hatten Mädchen die Gelegenheit in Unternehmen und Branchen reinzuschnuppern, die nicht unbedingt als Berufsfelder für Frauen gelten. Denn auch wenn in der SEO-Küche ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Frauen und Männern herrscht und in […]

Die SEO-Küche als Teil der “Initiative Klischeefrei”

  • oliver lindner
  • von Oliver Lindner
  • 27.04.2022

Keine Chance für Geschlechterstereotypen Wir wollen ein Zeichen für eine Berufs- und Studienwahl frei von Klischees und Stereotypen setzen und nehmen daher an der “Initiative Klischeefrei” teil. Die Initiative setzt sich dafür ein, dass Jugendliche gängige Rollenklischees kritisch hinterfragen und sich völlig ohne Vorurteile für ihren zukünftigen Beruf oder ihre […]

Unternehmensname auswählen Rechtstipps

Firma & Rechtsform: Wenn fehlende Buchstaben plötzlich private Haftung bedeuten

  • Händlerbund
  • von Haendlerbund
  • 21.04.2022

Warum man beim Firmennamen ganz genau hinschauen sollte Für die unternehmerische Tätigkeit spielen Details oft eine wichtige Rolle. Das zeigen auch zwei aktuelle Urteile: Hier scheiterte die Eintragung ins Handelsregister an den falschen Zeichen in der Firma, dort sorgten fehlende Buchstaben plötzlich für eine persönliche Haftung. Stellen Sie sich folgendes […]

KI-Tool Texten

Google will keine KI-generierten SEO-Inhalte

  • christoph pawletko
  • von Christoph
  • 13.04.2022

KI-Text = Spam? Schon öfter erwähnt und kürzlich wieder bestätigt: KI-generierte Inhalte sind für Google “Spam” und verstoßen gegen die Google Webmaster-Richtlinien. In den Google Search Central SEO-Office-Hangouts am 1. April (kein April-Scherz) bezeichnete John Mueller von Google KI-generierte Inhalte als “Spam”. Die Antwort von Mueller ist keine echte Überraschung. […]

Beitragsbild OK Google

“OK Google” Sprachassistent aktivieren – so geht’s

  • christoph pawletko
  • von Christoph
  • 07.04.2022

Hey Google auf dem Handy oder PC aktivieren in der Anleitung Mit dem Google Sprachassistent lassen sich Smartphones per Sprachsteuerung steuern, einfach in dem man OK Google oder Hey Google sagt und dann einen Sprachbefehl folgen lässt. Wir zeigen euch, wie Ihr den Google Assistant in den Einstellungen im Chrome […]

Web Tracking Stagebild Matomo

Google Analytics vor dem Aus? Matomo als Alternative

  • michael magura
  • von Michael
  • 01.04.2022

Bedeutende Änderungen in der Web-Tracking-Welt mit weitreichenden Konsequenzen Die Online-Marketing-Welt ist derzeit in Aufruhr. Diverse Gerichtsentscheidungen verunsichern zuletzt insbesondere Website-Betreiber, die für die Auswertung der Nutzung ihrer Dienste auf Tracking-Tools wie Google Analytics setzen. So stellte bspw. die österreichische Datenschutzbehörde in einer Entscheidung vom 22.12.2021 fest, dass die Übermittlung personenbezogener […]