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Google vs. Amazon: Wo wird in Zukunft eingekauft?

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Kampf um die Vorherrschaft im Online-Shopping

Es ist ein Kampf der Schwergewichte des Internets. Wäre das Duell zwischen Google und Amazon ein Boxkampf, wäre er auf einem Niveau mit den großen Kämpfen, wie Muhammad Ali gegen Joe Frazier oder Tyson gegen Holyfield. Oder vielleicht wie Klitschko gegen Joshua – das Ende einer Ära?

Obwohl es wohl nicht zu abgebissenen Ohren kommen wird, ist dieses Duell nichts anderes als der Kampf um die Vorherrschaft im Online-Shopping. In der einen Ecke steht Google – Suchmaschinen Quasi-Monopolist mit über einer Billion Suchanfragen im Jahr. Der Kontrahent: Amazon – der Marktplatz-Champion mit mehr als 300 Millionen Kunden und für viele Synonym für Online-Shopping. Wer diesen Kampf gewinnt, verdient zukünftig an jeder Transaktion mit. Kein Wunder also, dass der Kampf mit (fast) allen Mitteln geführt wird. Die Geschichte zeigt, dass Verlierer schnell immer mehr an Boden verlieren, wie ein Blick auf einstige Riesen, wie Yahoo oder AOL, zeigt.

Amazon verkaufte 1995 sein erstes Buch, heute kann man über den Online-Versandhändler fast alles kaufen, sogar frische Lebensmittel. Über den Streaming Service Amazon Prime wird der Konzern auch immer mehr zum Mediengiganten. Auf die Frage warum Kunden bei Amazon einkaufen, kommt oft die Antwort „Amazon hat Alles.“.

Über Google Shopping werden dem Nutzer eine Auswahl der (laut Google Algorithmus) am besten passenden Produkte angezeigt. Der Service Google Shopping Express liefert sogar bestellte Waren nach Hause und soll noch weiter ausgebaut werden. Außerdem drängt Google auch auf den Buchmarkt, eigentlich Amazons Spezialgebiet. Google ist für viele die erste Anlaufstelle im Internet, was schon vom Start her einen gewissen Vorteil bietet. Nur droht hier der Verlust der Vormachtstellung, da viele Ihr Online-Shopping sofort bei Amazon beginnen.

Die Geschäftsmodelle: Klickpreise gegen Kaufbeteiligung

Beide Geschäftsmodelle unterscheiden sich deutlich voneinander. Googles größte Einnahmequelle ist der Anzeigenservice Google Ads. Mit den bezahlten Suchergebnissen verdient der Suchmaschinengigant jedes Jahr Milliarden. Durch die vielfältigen Nutzerdaten, die Google sammelt und Anzeigenkunden zur Verfügung stellt, lassen sich die Anzeigen genau auf die Zielgruppe anpassen und so ausspielen, dass sie nur potenziellen Kunden angezeigt werden.

Sucht man bei Google ein Produkt, bzw. interpretiert der Algorithmus die Suchanfrage als Suche nach einem Produkt, dann zeigt Google Shopping eine Auswahl von Produkten externer Shops an. Welche hier angezeigt werden hängt von den Klickpreisen ab und wie der Algorithmus die jeweiligen Ergebnisse bewertet. Ein sehr erfolgreicher Shop oder ein gutes Angebot kann hier zum Beispiel weit vorne landen.

bildschirmfoto 2017 04 26 um 13.22.29Amazon verdient bei jedem Einkauf über die eigene Plattform mit. Anbieter, die Produkte über den Marketplace anbieten, profitieren umgekehrt von der riesigen Reichweite und den bequemen und sicheren Verkaufsabläufen. Als Pendant zu Google Ads setzt Amazon auf die „Amazon Sponsored Links“, die es Werbekunden ermöglicht, innerhalb von Amazon eigene Anzeigen zu platzieren.

Amazon als größte Bedrohung für Google?

[Tweet „2016 nutzten über 50% der Nutzer Amazon als Shopping Suchmaschine, ohne vorab auf Google zu suchen“]

Ende 2016 nutzten bereits über die Hälfte der Nutzer Amazon als Suchmaschine für Online-Shopping. Ohne vorher auf Google zu suchen. Nur 26 Prozent benutzten noch eine klassische Suchmaschine wie Google als Start für ihre Suche nach Produkten.

bildschirmfoto 2017 04 26 um 13.23.54Die Gründe hierfür sind die wachsende Anzahl an Amazon Prime Mitgliedern und natürlich die große Produktpalette.

[Tweet „Amazon schafft eine konsistente User Experience, die von vielen Kunden kaum noch verlassen wird“]

Innerhalb der geschlossenen Umgebung hat Amazon eine konsistente User Experience geschaffen, die von vielen Kunden kaum noch verlassen wird. Dies macht es immer schwieriger für kleinere Online-Shops, die noch stärker von Google und SEO-Strategien abhängig werden. Der Druck in den Amazon Marketplace abzuwandern wird immer größer.

Außerdem bedeutet es, dass Google an Relevanz verliert.

Da für Google die Google Ads Anzeigen, die auf Transaktions-Suchanfragen zielen, am profitabelsten sind, bedeutet jeder Marktverlust hier auch weniger Umsatz. Doch damit nicht genug: Mit der Verbreitung von Sprachsteuerung entsteht für Google eine weitere Bedrohung: Amazon Echo.

Google Home gegen Amazon Echo

Mit dem Voice Service „Alexa“ plant Amazon in jedem Wohnzimmer einen Sprachassistenten zu platzieren, der auf Zuruf Aktionen ausführt, wie zum Beispiel etwas im Amazon Shop zu kaufen oder Musik aus Amazon Prime abzuspielen.

[Tweet „On-Screen Suchanfragen werden zukünftig durch Sprachbefehle ersetzt, was den Werbemarkt verkleinert“]

Ist dies ein weiterer Nagel im Sarg von Googles Werbegeschäft? Schließlich ist jeder Sprachbefehl, den man ohne eine Eingabe am Bildschirm vornimmt, eine Transaktion, die ohne Werbeeinblendungen stattfindet. Egal ob Nachrichten verschicken, Shopping oder eben eine Suchanfrage. Es geht an den Google Anzeigen vorbei.

Speak-now
Über Sprachsteuerung lassen sich schon jetzt die verschiedensten Aktionen durchführen.

Die künftige Generation wird fraglos mit dem Grundverständnis aufwachsen, dass ein Computer ein Gerät ist, mit dem man reden kann und das auch antwortet. Natürlich wird die klassische Web-Suche am Bildschirm nicht so schnell verschwinden, jedoch hat die heute gängige Anzeige in den Suchergebnissen darin deutlich weniger Platz. Viele On-Screen Suchanfragen werden zukünftig wohl durch Sprachbefehle ersetzt, was den Werbemarkt verkleinert.

Problem und Lösung für Google

Und genau hier liegt das Problem für Google: Selbst wenn es die bessere Sprach-Technologie hat und diese in vielen Haushalten genutzt wird, hat es bisher keine Lösung, diese für das eigene Anzeigengeschäft zu nutzen.

Google hat hier nur eine Option:

Mit der eigenen Hardware im eigenen Marktplatz verkaufen.

Doch genau hier hat Amazon die bessere Ausgangslage. Man besitzt bereits einen gigantischen Marktplatz und die zugehörige Infrastruktur. Wenn immer mehr User ihre Suche nach einem Produkt bei Amazon beginnen, dann macht das Amazon zu ihrem Begriff von Shopping im Internet und zwingt immer mehr Händler ihre Produkte auch bei Amazon zu verkaufen.

Für Amazon bedeutet Sprach-Technologie also nur den nächsten Schritt, für Google jedoch eine fundamentale Änderung Ihres Geschäftsmodells.

Was denkt ihr? Meistert Google diese Herausforderung oder sehen wir den Anfang vom Ende?

Titelbild © Robert Kneschke / Fotolia

Bild 3 © and4me / Fotolia

Kommentare

Liebes SEO Küche Team,

im Rahmen einer Uni-Hausarbeit beschäftige ich mich unter anderem mit dem Thema, ob Amazon Google bzgl. der Suchanfragen bald dominieren wird. Euren Artikel fand ich dazu sehr spannend, insbesondere die Aussage, dass bereits 50% der Suchanfragen direkt über Amazon kommen. Bezieht sich diese Zahl auf alle Suchanfragen oder nur Transaktionsbezogene? Und habt ihr eine Quelle für diese Zahl? Also gibt es dafür eine Studie?

Ich danke euch bereits im Voraus für eure Hilfe!
Viele Grüße,
Anni

Hallo Anni,

die Zahl stammt aus dieser Studie und bezieht sich auf transaktionsbezogene Suchanfragen:

Viel Erfolg bei deiner Hausarbeit!

Viele Grüße
Christoph


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