Skip to main content

Streitschlichtung: Eine echte Alternative oder neue Abmahngefahr?

  • SEO-Küche Logo


PDF herunterladen

‚- Gastbeitrag von Yvonne Bachmann, Rechtsanwältin/Redakteurin beim Händlerbund e.V. – größter Onlinehandelsverband Europas –

Überlastete Gerichte, hohe Kosten und lange Wartezeiten… Diesen Gedanken verbindet
der Deutsche im Allgemeinen damit, wenn ein Rechtsstreit droht. Aus diesem Grunde verlaufen viele Streitigkeiten im Sande und der Klügere gibt nach. Alternativ droht ein Rechtsstreit, bei dem am Ende meist alle Fronten verhärtet sind. Warum nicht den goldenen Mittelweg gehen, sich aus freien Stücken einigen – und sogar noch Geld sparen?

Bisher haben die Alternativen zu einem herkömmlichen Gerichtsweg jedoch kaum Anklang gefunden. Verbraucher sind zwar grundsätzlich an Mediationsverfahren und Ähnlichem interessiert. Jedoch haben sich diese Optionen dem breiten Publikum bisher wenig präsentiert, um ernsthaft an Bedeutung zu gewinnen. Eine Gesetzesänderung musste also her.

Diesen Gedanken hatte der Europäische Gesetzgeber schon vor Jahren und wollte so langfristig auch die Gerichte entlasten. Schon 2013 traten die Richtlinie (2013/11/EU) über die alternative Streitbeilegung in Verbraucherangelegenheiten (ADR-Richtlnie) sowie eine  Verordnung (EU) Nr. 524/2013 über die Online-Streitbeilegung in Verbraucherangelegenheiten (ODR-Verordnung) in Kraft.

Über die Vor- und Nachteile einer alternativen Streitschlichtung diskutieren die Rechtsanwältinnen des Händlerbundes, Peggy Sachse und Yvonne Bachmann in diesem Podcast-Format OnAir:

1. Stufe: OS-Plattform

Bereits Anfang 2016 wurde daher eine Streitschlichtungsplattform (OS-Plattform) errichtet, über die Verbraucher und Unternehmer kostenlos Beschwerden einreichen können, wenn sie im Streit um einen online geschlossenen Vertrag liegen. Grundlage ist die europäische ODR-Verordnung. Seit dem 9. Januar 2016 gibt es hierzu eine eigene Informationspflicht.

2. Stufe: Schlichtungsstellen

Da die Plattform jedoch lediglich das technische Hilfsmittel darstellt, schlichtet sie die Streitigkeiten nicht selbst. Die Arbeit eines Streitschlichters übernehmen die sog. Schlichtungsstellen. Ihre Errichtung regelt die ADR-Richtlinie und das Verbraucherstreitbeilegungsgesetz.

Den Ablauf eines Schlichtungsverfahrens hat der Händlerbund in der folgenden Infografik zusammengefasst:

Händlerbund Infografik

Ab dem 1. Februar 2017 müssen Händler im Zuge der alternativen Streitbeilegung auch neue Informationspflichten beachten. Händler müssen darüber informieren, inwieweit sie bereit (oder verpflichtet) sind, an Streitbeilegungsverfahren vor einer deutschen Verbraucherschlichtungsstelle teilzunehmen. Und zweitens auch auf die zuständige Verbraucherschlichtungsstelle verweisen, wenn sie sich zur Teilnahme an einem Streitbeilegungsverfahren vor einer Verbraucherschlichtungsstelle verpflichtet haben oder wenn sie zur Teilnahme verpflichtet sind.

Fazit: Ist die alternative Streitschlichtung für Sie eine Option?

Über die alternative Streitschlichtung und dessen Vor- und Nachteile lässt sich trefflich diskutieren. Die Effizienz, Preisersparnis und Hochwertigkeit der Schlichtersprüche ist nicht zu verachten. Dennoch werden Online-Händler nur einen Gedanken damit verbinden: wieder ein neues Gesetz, bei dem die stetige Abmahngefahr über den Köpfen der Unternehmer schwebt.

Der Händlerbund hilft!

Angst vor Abmahnungen muss jedoch mit kompetenter rechtlicher Unterstützung niemand haben: Der Händlerbund versorgt seine Mitglieder rechtzeitig mit allen wichtigen Informationen und stellt ihnen die geänderten Rechtstexte zur alternativen Streitschlichtung zur Verfügung.
Als Kunde der SEO-Küche erhalten Sie 2 Monate Rabatt auf alle Mitgliedschaftspakete mit dem Rabattcode P822#2015

Jetzt informieren!

Über die Autorin:

Yvonne-Bachmann
Yvonne Bachmann ist als Rechtsanwältin für den Händlerbund tätig. Dort berät sie Online-Händler in Rechtsfragen und berichtet auf dem Infoportal OnlinehändlerNews regelmäßig zu Rechtsthemen, welche die E-Commerce-Branche bewegen.

Kommentare

🙂 OK !


Hast du eine Frage oder Meinung zum Artikel? Schreib uns gerne etwas in die Kommentare.

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht

Jetzt den SEO-Küche-Newsletter abonnieren

Ähnliche Beiträge

Person zeigt auf ein digitales Sicherheitssymbol, umgeben von Icons für Webanalyse und Tracking

Was ohne Cookies noch messbar ist und wie man es nutzt

  • michael magura
  • von Michael Magura
  • 16.02.2026

Die technischen Rahmenbedingungen für die Webanalyse haben sich im Laufe der letzten Jahre grundlegend geändert. Restriktive Browser-Einstellungen und strenge Datenschutzvorgaben sorgen dafür, dass klassische Analysen oft nur einen Bruchteil der tatsächlichen Customer Journey erfassen. Für KMU führt dieser Signalverlust zu einer verzerrten Datenbasis und fehlerhaften Budgetplanung, da erfolgreiche Kampagnen im […]

Person arbeitet an einem Laptop, während digitale Symbole für Datenanalyse und Marketingmetriken auf dem Bildschirm angezeigt werden

Eigene Daten nutzen: einfache Zielgruppen und Signale

  • michael magura
  • von Michael Magura
  • 09.02.2026

Wer 2026 Marketing-Entscheidungen trifft, verlässt sich meist auf lückenhafte Daten, denn Browser wie Safari oder Firefox löschen Tracking-IDs durch Mechanismen wie ITP (Intelligent Tracking Prevention). Gelangt ein Nutzer über eine Anzeige auf Ihre Webseite, wird die notwendige Verknüpfung (Click-ID) oft nach 24 Stunden gelöscht. Kurzum: Klickt Ihr Kunde heute, kauft […]

Roboter analysiert Markenimage mit Lupe, Social-Media-Symbolen und Dashboard zur digitalen Markenbewertung

Markenbild unter KI-Einfluss: So werden Sie von ChatGPT & Co. wahrgenommen

  • Stephanie
  • von Stephanie Göckeler
  • 02.02.2026

Wenn heute jemand Ihre Marke kennenlernen möchte, landet er immer seltener direkt auf Ihrer Website, sondern stellt seine Frage an ein KI-System wie ChatGPT, Copilot oder den KI-Modus von Google. Diese Systeme beantworten Fragen nicht mit einem einzelnen Link, sondern mit einem verdichteten Bild Ihrer Marke, das aus sehr vielen […]

Scrabble-Buchstaben mit dem Wort „Data“ als Symbol für Webanalyse und Datenverarbeitung

Einwilligungen klug gestalten: mehr Zustimmung, saubere Daten

  • michael magura
  • von Michael Magura
  • 02.02.2026

In der Standard-Webanalyse gehen durch Datenschutzvorgaben und restriktive Browser-Einstellungen oft 30 bis 60 Prozent der Nutzerdaten verloren. Dieser Signalverlust führt zu einer verzerrten Datenbasis, da insbesondere datenschutzbewusste Nutzergruppen in der Statistik fehlen. Werden Einwilligungsprozesse rein nach rechtlichen Mindeststandards oder durch manipulative Designs gestaltet, resultiert dies oft in lückenhaften Statistiken und […]

Frau arbeitet mit einem Roboter in einem modernen Büro, der an einem Computer sitzt.

Schnell KI-gestützte Posts und Videos erstellen

  • Luisa Losereit, Online-Marketing-Beraterin (Onpage)
  • von Luisa Losereit
  • 26.01.2026

Wer Videos für Posts auf Plattformen wie LinkedIn oder Instagram auf herkömmlichem Wege erstellen möchte, scheitert meist am hohen Zeitaufwand. Klassische Produktionsabläufe – vom Skript über den Dreh bis hin zu Schnittarbeiten und Untertitelung – blockieren Ressourcen über Tage hinweg. Diese linearen und aufwendigen Prozesse verhindern, dass Unternehmen aktuelle Inhalte […]

Laptop mit holographischem Gehirn als Symbol für KI-Schreibassistenten

KI als Schreibassistent – Qualität sichern und Leitplanken setzen

  • Luisa Losereit, Online-Marketing-Beraterin (Onpage)
  • von Luisa Losereit
  • 19.01.2026

Die Nutzung von KI-Schreibassistenten führt Unternehmen zu neuen Herausforderungen. Wer KI-Tools zur schnellen Texterstellung nutzt, läuft Gefahr, im digitalen Einheitsbrei unterzugehen. Da die Informationsflut steigt, fordern Nutzer und Suchmaschinen mehr denn je echten Mehrwert. Um sich vom Wettbewerb abzuheben, reicht es nicht, die KI „schreiben“ zu lassen. Echte Qualität entsteht […]