Skip to main content
 

Firma & Rechtsform: Wenn fehlende Buchstaben plötzlich private Haftung bedeuten

  • Händlerbund


PDF herunterladen

Warum man beim Firmennamen ganz genau hinschauen sollte

Für die unternehmerische Tätigkeit spielen Details oft eine wichtige Rolle. Das zeigen auch zwei aktuelle Urteile: Hier scheiterte die Eintragung ins Handelsregister an den falschen Zeichen in der Firma, dort sorgten fehlende Buchstaben plötzlich für eine persönliche Haftung.

Stellen Sie sich folgendes vor: Tage und Nächte verbringen Sie damit, eine kreative und überzeugende Bezeichnung für ihre Firma zu finden. Dann ist es endlich soweit – und die Eintragung ins Handelsregister scheitert an gerade den Zeichen, die erst den Pfiff gemacht haben. Oder: Sie wählen sich eine risikoarme Unternehmensform wie die UG, und müssen plötzlich privat haften, wo dies nicht geplant war, weil Sie den Rechtsformzusatz falsch angegeben haben. So oder so ähnlich ist es in zwei Fällen passiert, die kürzlich von Gerichten entschieden wurden, und die wir uns hier mal kurz genauer angucken wollen.

Unternehmensname und Rechtsform
Werden beim Unternehmensnamen Fehler gemacht, kann dies ernsthafte Konsequenzen haben.

Unaussprechliche Sonderzeichen in der Firma

Zuerst geht es um einen Beschluss, den jüngst der Bundesgerichtshof gefällt hat (BGH, Beschluss v. 25.01.2022, Az. II ZB 15/21). Hier war eine Gesellschaft mit ihrer Anmeldung für das Handelsregister gescheitert. Dahinter steckten Sonderzeichen („//“) – also zwei Slash-Zeichen, zu Deutsch auch Schrägstriche – die der Firma vorangestellt waren. Tatsächlich müssen bei der Gestaltung der Firma einige gesetzliche Vorgaben eingehalten werden. Trivial, aber wichtig: Die Firma muss zur Kennzeichnung geeignet sein, sie ist schließlich der Name, unter dem ein Kaufmann seine Geschäfte betreibt und seine Unterschrift abgibt. Als Bedingung dafür gilt die Aussprechbarkeit der Firma im Sinne der Artikulierbarkeit. Im Gegensatz zu einer Marke kann sich in der Firma im Handelsregister also auch kein Bild wiederfinden.

Während Zeichen wie „&“ oder „+“ im kaufmännischen Verkehr etabliert und dazu auch noch aussprechbar sind und auch die Zulässigkeit von „@“ in der Firma inzwischen als zulässig bewertet wird, gilt das laut dem Beschluss aber nicht für „//“. Zwar ist diese Zeichenkombination prinzipiell durchaus aussprechbar, und es ergab sich im konkreten Fall sogar ein schöner Wortwitz. Allerdings lasse sich nicht feststellen, dass diese Sonderzeichen im allgemeinen Sprachgebrauch als Wortersatz tatsächlich verwendet werden würden. Auch seien unterschiedliche Formen der Aussprache möglich. Die Rechtsbeschwerde der Gesellschafter gegen die Ablehnung der Eintragung bliebt damit ohne Erfolg. Ausführlichere Informationen gibt es hier.

Rechtsform Hinweise Tipps
Die Rechtsform für ein Unternehmen sollte mit Bedacht gewählt werden.

Unbeschränkte Haftung wegen falscher Angabe der Rechtsform

Sind Schwierigkeiten mit der Eintragung ins Handelsregister mitunter schon eine nervige Angelegenheit, zeigt eine andere Entscheidung, dass es auch schnell richtig kostspielig werden kann.

Start-ups, gerade auch im Bereich E-Commerce, wählen als Rechtsform gerne die Unternehmergesellschaft, kurz UG. Sie lässt sich relativ leicht, vor allem aber mit wenig Startkapital gründen – theoretisch schon ab einem Euro Stammkapital. Der Vorteil: Man haftet als Gesellschafter nicht mit seinem Privatvermögen für Verbindlichkeiten der UG. Zumindest, wenn man sich an die Regeln hält. Denn firmiert man mit der UG nicht korrekt, dann kann sich die Lage schnell ändern: Gerade weil die Haftungssumme bei einer UG unter Umständen nicht groß ist, besteht ein besonderes Schutzbedürfnis bei Geschäftspartnern. Muss die Firma angegeben werden, zum Beispiel in einem Impressum, sollte stets auch auf den korrekten Rechtsformzusatz geachtet werden. Einfach nur „UG“ anzuhängen, das wäre hier problematisch.

Wie die UG ihre Rechtsform in der Firma angeben muss, ist klar in § 5a Abs. 1 GmbHG geregelt. Demnach muss die UG in ihrer Firma die Bezeichnung

  • „Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt)“ oder
  • „UG (haftungsbeschränkt)“ führen.

Der Zusatz „(haftungsbeschränkt)“ ist zwar sperrig, doch damit erfüllt er diese Warnfunktion. Schafft man aber nun den Anschein, als könne der Geschäftspartner auf eine persönliche Haftung, etwa durch einen Gesellschafter, bauen, dann muss gegebenenfalls auch persönlich gehaftet werden. Dies kann auch denjenigen treffen, der in besagten Situationen den Zusatz abkürzt oder ganz weglässt. Diese Vertrauenshaftung desjenigen, der die erforderliche Aufklärung nicht vornimmt, sei ein Ausgleich dafür, so sagt die Rechtsprechung. Mehr Informationen gibt es hier.

Der Händlerbund hilft!
Die rechtliche Absicherung ihrer Internetpräsenzen verursacht vielen Online-Händlern einen enormen Mehraufwand. Aber auch bereits die gewerbliche Tätigkeit kommt oft herausfordernd daher. Der Händlerbund steht Ihnen bei juristischen Fragen als kompetenter Partner zur Seite. Wenn Sie sich als Händler jetzt für die umfangreichen Rechtsdienstleistungen des Händlerbundes entscheiden, erhalten Sie mit dem Rabattcode P822#2015 einen Nachlass von 3 Monaten auf das Mitgliedschaftspaket Ihrer Wahl. Jetzt informieren!

Über den Autor

Melvin Dreyer ist seit Mitte 2018 als juristischer Fachredakteur für den Händlerbund tätig. Während er sich im Studium besonders mit Steuerrecht auseinandergesetzt hat, berichtet und berät der Diplom-Jurist nun regelmäßig zu rechtlichen Neuigkeiten und Fragestellungen rund um E-Commerce, IT- und Europarecht.

Titelbild © gustavofrazao / stock.adobe.com

Beitragsbild © Konstantin / stock.adobe.com

Beitragsbild © magele-picture / stock.adobe.com

Keine Kommentare vorhanden


Hast du eine Frage oder Meinung zum Artikel? Schreib uns gerne etwas in die Kommentare.

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht

Jetzt den SEO-Küche-Newsletter abonnieren

Ähnliche Beiträge

Kurzvideos in Marketingkampagnen einbinden und gezielt für mehr Reichweite und Nutzerinteraktion einsetzen

 Kurzvideos in SEA-Kampagnen einbinden: Einfacher Fahrplan für erfolgreiche Video Ads

  • antje stensel
  • von Antje Stensel
  • 05.10.2026

Kurzvideos sind längst mehr als ein Trend aus sozialen Netzwerken. Auch in SEA-Kampagnen spielen kurze Bewegtbildformate eine immer wichtigere Rolle. Sie helfen dabei, Aufmerksamkeit aufzubauen, Produkte und Dienstleistungen schnell zu erklären und Nutzer bereits vor dem Klick gezielt anzusprechen. Gerade bei Google Ads, YouTube Ads und Performance-Max-Kampagnen bieten Kurzvideos die […]

Sticky-Menüs und klare CTAs zur Verbesserung des On-Site-Engagements einer Website

On-Site-Engagement erhöhen: Wie Sticky-Menüs und klare CTAs Nutzer gezielt führen

  • Patrick
  • von Patrick Palazzo
  • 28.09.2026

Besucher mittels SEO oder SEA auf eine Website zu bringen, ist nur der erste Schritt. Entscheidend ist, was danach passiert: Finden Nutzer schnell die gewünschten Informationen? Wissen sie jederzeit, welche Handlung als Nächstes sinnvoll ist? Und gelangen sie ohne Umwege zu Kontaktformular, Produkt, Beratung oder Kauf? Genau hier setzt das […]

Partnerschaften mit Communitys zur Erschliessung neuer Zielgruppen im Online-Marketing

Partnerschaften und Communities für neue Zielgruppen

  • antje stensel
  • von Antje Stensel
  • 21.09.2026

Neue Zielgruppen zu erreichen, muss nicht immer mehr Werbebudget erfordern. Strategische Partnerschaften und der Aufbau einer eigenen Community können Unternehmen dabei helfen, ihre Reichweite nachhaltig zu vergrößern, Vertrauen aufzubauen und neue Kundengruppen zu erschließen. Entscheidend ist, dass die Zusammenarbeit für alle Beteiligten einen erkennbaren Mehrwert bietet. Unternehmen, Partner und Community-Mitglieder […]

Laptop mit geöffneter Google-Suche

EmpCo ab September 2026: Was bedeutet die Richtlinie für bestehende Social-Media-Inhalte?

  • antje stensel
  • von Antje Stensel
  • 15.09.2026

Was ist die EmpCo-Richtlinie? EmpCo steht für „Empowering Consumers for the Green Transition“. Es ist eine EU-Richtlinie, die regelt, wie Unternehmen über Umwelt und Nachhaltigkeit kommunizieren dürfen. Für viele Firmen ist das gerade ein wichtiges Thema. Typische Begriffe, die Unternehmen bisher genutzt haben: nachhaltig umweltfreundlich grün ökologisch klimafreundlich klimaneutral ressourcenschonend […]

E-Mail-Marketing: Newsletter mit aufmerksamkeitsstarken Betreffzeilen und strukturiertem Aufbau

Newsletter, die geöffnet werden – Aufbau & Betreffzeilen

  • antje stensel
  • von Antje Stensel
  • 14.09.2026

Die beste Aktion, der spannendste Blogbeitrag oder das attraktivste Angebot bringen wenig, wenn der Newsletter ungeöffnet im Posteingang liegen bleibt. In Zeiten voller E-Mails und knapper Aufmerksamkeit müssen Unternehmen bereits in der Inbox überzeugen. Der erste Eindruck entsteht nicht erst nach dem Öffnen, sondern schon durch Absender, Betreffzeile und Vorschautext. […]

e commerce branche

E-Commerce Deutschland 2026: Trends & Strategie

  • Oliver Lindner / Gründer und Geschäftsführer
  • von Oliver Lindner
  • 12.09.2026

Der deutsche E-Commerce wächst : aber er wird gleichzeitig komplexer, wettbewerbsintensiver und strukturell tiefgreifend verändert. Wer im Herbst 2026 noch mit den Strategien von 2022 arbeitet, verliert Marktanteile an Plattformen, die schneller, günstiger oder sichtbarer sind. Dieser Artikel zeigt Ihnen, welche Entwicklungen den deutschen Onlinehandel im Jahr 2026 prägen : […]