Was ist die EmpCo-Richtlinie?
EmpCo steht für „Empowering Consumers for the Green Transition“. Es ist eine EU-Richtlinie, die regelt, wie Unternehmen über Umwelt und Nachhaltigkeit kommunizieren dürfen. Für viele Firmen ist das gerade ein wichtiges Thema.
Typische Begriffe, die Unternehmen bisher genutzt haben:
- nachhaltig
- umweltfreundlich
- grün
- ökologisch
- klimafreundlich
- klimaneutral
- ressourcenschonend
- biologisch abbaubar
- CO₂-neutral
Auch Bilder, Siegel, Produktkennzeichnungen oder Zukunftsversprechen zu Umweltzielen fallen darunter.
Ob ein einzelner Begriff rechtlich problematisch ist, lässt sich nicht pauschal sagen. Das muss jedes Unternehmen individuell rechtlich prüfen lassen. Aus Marketingsicht stellt sich erstmal eine andere Frage: Wo verwenden wir solche Aussagen überhaupt?
Warum die eigene Veröffentlichungshistorie wichtig ist
Social-Media-Inhalte bleiben oft lange sichtbar. Ein Instagram-Post von 2022 lässt sich heute noch finden, LinkedIn-Beiträge tauchen in Suchmaschinen auf, alte Videos werden weiter angeschaut.
Deshalb lohnt sich nicht nur der Blick auf neue Kampagnen, sondern auch auf ältere Veröffentlichungen. Dabei helfen diese Fragen:
- Wo haben wir über Nachhaltigkeit gesprochen?
- Welche Begriffe haben wir verwendet?
- Welche Inhalte sind noch öffentlich auffindbar?
- Welche älteren Inhalte werden noch aktiv genutzt?
- Welche Aussagen sollten wir unserer Rechtsberatung vorlegen?
Das ist noch keine rechtliche Bewertung, nur ein erster Überblick.
Müssen jetzt alte Beiträge geändert werden?
Diese Frage können und wollen wir als Online-Marketing-Agentur nicht rechtlich beantworten. Ob alte Inhalte geändert, ergänzt oder archiviert werden müssen, klärt eine qualifizierte Rechtsberatung.
Was Marketingteams vorbereiten können, ist eine strukturierte Übersicht. Also erstmal die Frage klären, welche bestehenden Beiträge überhaupt Aussagen zu Umwelt, Klima oder Nachhaltigkeit enthalten.
Wie man die Veröffentlichungshistorie durchsucht
Bei Profilen mit langer Historie kommen oft Hunderte oder Tausende Beiträge zusammen. Eine thematische Suche hilft, den Bestand zu strukturieren, zum Beispiel mit Begriffen wie:
Nachhaltigkeit, nachhaltig, Umwelt, umweltfreundlich, klimafreundlich, klimaneutral, CO₂-neutral, grün, ökologisch, ressourcenschonend, recycelt, biologisch abbaubar.
Das sind keine automatisch „verbotenen“ Wörter, sondern nur Suchbegriffe, um relevante Inhalte schneller zu finden.
Zusätzlich lohnt sich der Blick auf Inhalte, die heute noch besonders präsent sind:
- angepinnte Beiträge
- Highlights
- häufig aufgerufene Videos
- erneut geteilte Inhalte
- Beiträge, die in aktuellen Kampagnen wiederverwendet werden
Die gefundenen Inhalte können dann der Rechtsberatung vorgelegt werden.
Auch zukünftige Inhalte im Blick behalten
Nicht nur die Vergangenheit zählt, auch neue Inhalte sollten geprüft werden. Das betrifft nicht nur Social Media, sondern auch Website-Texte, Landingpages, Blogbeiträge, Anzeigen, Newsletter, Produktbeschreibungen, Grafiken, Videos, Broschüren und Präsentationen.
Eine einfache interne Frage kann im Erstellungsprozess helfen: „Enthält dieser Inhalt eine Aussage zu Umwelt, Klima oder Nachhaltigkeit?“
Wird das mit Ja beantwortet, kann der Beitrag markiert und vor der Veröffentlichung geprüft werden, intern oder durch externe Rechtsberatung. Das Marketing bewertet dabei nichts rechtlich, sondern sorgt nur dafür, dass solche Inhalte erkannt werden.
Nachhaltigkeitsaussagen konkreter formulieren
Unabhängig von der rechtlichen Seite lohnt es sich, allgemeine Begriffe wie „umweltfreundlich“, „nachhaltig“ oder „grün“ zu hinterfragen. Sie bedeuten für Leser oft ganz unterschiedliche Dinge.
Hilfreiche Fragen für das Content-Team:
- Was möchten wir eigentlich vermitteln?
- Geht es um ein Produkt, eine Verpackung, die Produktion, Transport oder Energieverbrauch?
- Welche konkrete Information soll beim Kunden ankommen?
Das macht Inhalte verständlicher, ersetzt aber keine rechtliche Prüfung der konkreten Aussage.
Nicht nur Texte prüfen
Auch Bilder, Grafiken, Siegel, Icons, Labels und Infografiken können Umwelt- oder Nachhaltigkeitsbezug haben. Eine Bestandsaufnahme sollte deshalb alle Werbemittel umfassen, nicht nur Texte.
Klimaneutralität und CO₂-Aussagen finden
Begriffe wie „klimaneutral“ oder „CO₂-neutral“ wurden in den letzten Jahren häufig verwendet, auch Aussagen zu CO₂-Ausgleich oder Kompensation. Solche Inhalte lassen sich gezielt suchen und dokumentieren:
- Wo befindet sich die Aussage?
- Wann wurde sie veröffentlicht?
- Wird sie noch verwendet?
- Wer ist intern dafür zuständig?
Die rechtliche Bewertung bleibt Aufgabe der Fachberatung.
Zukunftsversprechen prüfen
Aussagen wie „Bis 2030 werden wir klimaneutral“ können in älteren Inhalten stecken. Unabhängig von EmpCo lohnt sich die Frage: Ist das Ziel noch aktuell? Wurde es geändert? Wird der Inhalt noch verwendet?
Nicht nur Social Media betrachten
Nachhaltigkeitsthemen finden sich auch auf der Website, in Produktseiten, Blogartikeln, PDFs, Anzeigen, Newslettern, Broschüren und Präsentationen. Gerade Websites wachsen über Jahre, manche Inhalte geraten dabei aus dem Blick, sind aber weiterhin auffindbar. Eine Bestandsaufnahme sollte deshalb alle Kanäle einbeziehen.
So kann eine Bestandsaufnahme ablaufen
- Inhalte finden: Texte, Bilder, Videos mit Umwelt- oder Nachhaltigkeitsbezug sammeln
- Historie einbeziehen: auch ältere Veröffentlichungen berücksichtigen
- Inhalte strukturieren: nach Kanal, Thema, Datum und Nutzung sortieren
- Aussagen dokumentieren: was, wo, in welchem Zusammenhang
- Hintergrundinfos sammeln: Ansprechpartner, Daten, Dokumente
- Rechtsberatung einbeziehen: Aussagen zur Einordnung vorlegen
- Änderungen umsetzen: falls die Rechtsberatung das empfiehlt
- Prozess für die Zukunft ergänzen: neue Inhalte frühzeitig kennzeichnen
So entsteht ein strukturierter Umgang mit dem Thema, ohne dass das Marketing selbst rechtliche Entscheidungen treffen muss.
Gute Nachhaltigkeitskommunikation ist auch eine Content-Frage
Eine Aussage wie „Wir sind besonders nachhaltig“ sagt wenig aus. Konkrete Inhalte, die zeigen, was ein Unternehmen tatsächlich tut, sind für Nutzer informativer. Die Frage „Welche konkrete Information möchten wir unserem Kunden geben?“ führt oft zu besserem Content. Die kommunikative Qualität und die rechtliche Bewertung bleiben dabei zwei getrennte Themen.
Rechtliche Einordnung gehört in fachkundige Hände
EmpCo ist ein rechtliches Thema. Wir empfehlen Unternehmen, die Auswirkungen auf ihre eigene Kommunikation mit einer qualifizierten Rechtsberatung zu klären.
Die SEO-Küche bewertet keine Claims, Kampagnen oder Veröffentlichungen rechtlich. Unsere Rolle beginnt dort, wo es um die praktische Umsetzung geht, zum Beispiel bei Website-Texten, Landingpages, Social-Media-Inhalten, Anzeigen, Produkttexten, Blogbeiträgen, Newslettern und Grafiken.
Wir helfen auch dabei, bestehende Inhalte zu strukturieren und Prozesse so aufzubauen, dass Nachhaltigkeitsthemen künftig frühzeitig erkannt werden.
EmpCo ist ein guter Anlass, die eigene Umwelt- und Nachhaltigkeitskommunikation genauer zu kennen, sowohl die Historie als auch künftige Inhalte. Der erste Schritt ist pragmatisch: finden, dokumentieren, strukturieren. Was die Richtlinie für einzelne Aussagen konkret bedeutet, klärt eine qualifizierte Rechtsberatung. Steht fest, was geändert werden soll, unterstützen wir gern bei der Umsetzung.
Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information aus Sicht von Marketing, Content und Unternehmenskommunikation. Er enthält keine rechtliche Bewertung konkreter Sachverhalte und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung.
Seit der Richtlinie (EU) 2024/825 gelten strengere Regeln für Aussagen wie „nachhaltig“, „klimaneutral“ oder „umweltfreundlich“. Mit diesem kostenlosen Tool lassen Sie Ihre Website automatisiert auf genau solche Formulierungen durchsuchen: Geben Sie einfach Ihre Domain ein, und der Checker analysiert Startseite und zentrale Unterseiten auf mögliche Risikobereiche, von pauschalen Umweltbehauptungen über Nachhaltigkeitssiegel bis hin zu Zukunftsversprechen. Der Bericht liefert eine erste Einordnung nach Kategorie und Risikostufe inklusive konkreter Formulierungsvorschläge, als Grundlage für die weitere Bearbeitung, nicht als Ersatz für eine rechtliche Prüfung.
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